RUMÄNIEN – EINE GEBRAUCHSANLEITUNG für deutsche Tourist*innen, Manager*innen und Ausgebürgerte (Teil I)

Kurz, knapp und aktuell.

Was deutsche Tourist*innen, Ausgebürgerte oder Manager*innen im Auslandseinsatz in Rumänien erwarten können (im Vergleich zum deutschen Kulturstandard) und ein paar mögliche Lösungsansätze (natürlich ohne Gewähr, denn jeder Mensch ist anders 😉 ):

  • Nähe
    • Keine Distanz, wenig Diskretion und deutlich weniger Datenschutz als in Deutschland
    • Leute meist freundlich, kommunikativ und nett, Verwandte und Familienmitglieder oft eindringlich
    • Kaum Grenzen zwischen Berufliches und Privates, persönliche Sphäre nicht sakrosankt sondern offen/durchlässig
    • Persönliche Beziehungen und Höflichkeit sehr wichtig, denn sehr viel wird über Bekannte erledigt – daher: direkte Konflikte werden vermieden
    • Geselligkeit, es wird gerne und oft zusammen gegessen und gefeiert (+Urlaub/Ausflüge) und so Beziehungen vertieft. Vor allem Essen wird gerne geteilt, nicht jeder für sich
    • Umarmungen und Küssen beim Treffen und Verabschieden sind die Norm zwischen Freunden. Geschäftsleute geben sich die Hand. Gelegentlich wird Damen noch die Hand geküsst (vor allem von älteren Herren)
    • Kinder werden nicht sehr autonom erzogen, sondern oft von den Großeltern großgezogen, verwöhnt und vor Verantwortung geschützt
    • Schwache Institutionen, starkes eigenes Netzwerk notwendig
      • >> Offen bleiben für neue Erfahrungen und Erlebnisse, nicht herablassend wirken
      • >> Ein paar Wörter auf Rumänisch lernen, ein bißchen über die Kultur und Geschichte etc.
      • >> Aber: Nicht zu schnell zu freundlich werden, man wird danach als Kumpel wahrgenommen, was zu Autoritätsverlust führen kann
  • Ungenauigkeiten und (Nach)Lässigkeit
    • In der Sprache und verbalen Verabredungen (zweideutig, Zeitangaben ungefähr, nicht immer präzise, beim ersten Blick scheint die Organisation oft chaotisch)
    • Bei der Arbeit oder Ausbildung
    • Bei der Sauberkeit (öffentliche Räume oft ziemlich ungepflegt)
    • Im Straßenbau und Handwerk
    • Bei der Gesetzgebung etc.
      • >> Am liebsten immer schriftlich festsetzen und im Voraus bestätigen, Details klären und Umsetzung regelmäßig überprüfen, ausführliche Trainings (mit Test) halten
      • >> Notwendigkeit der Maßnahme erklären, Vorteile, Nachteile und Konsequenzen klar machen
      • >> Sich zuverlässige einheimische Unterstützung sichern, Perfektionismus aufgeben
  • Flexibilität, Formlosigkeit und kurzfristige Orientierung
    • Strukturen und Rollen sind vage und verändern sich oft, sind sehr Kontextabhängig
      • >> Kontext klären!
    • Wenig Prinzipienfestigkeit, noch weniger Akzeptanz für Ideologie, Skepsis gegenüber Propaganda, Freiheit wichtig, Spontaneität, Ungezwungenheit bis hin zu Regelwidrigkeit
    • Keine langfristige Planung, oder Pläne werden oft abgeändert; kurzfristige Verabredungen; schnelle Lösungen werden bevorzugt; lange Lieferzeiten und langwierige Prozeduren sind nicht gern gesehen
    • Sich durchwursteln (“ein paar Abkürzungen nehmen”) ist in Rumänien eine Lebensart und eine Kunst
    • Große Unterschiede zwischen Theorie/Gesetz und Praxis, zwischen Äußerungen und tatsächlich umgesetzten Maßnahmen
    • Dinge, Probleme, aber auch Regeln werden nicht sehr ernst genommen, Regeln werden eher als fakultativ und verhandelbar gesehen, Deutsche als pingelig
      • >> Wenn Einhaltung bestimmter Regeln/Standards wichtig, vorab deutlich erklären, Unterschrift fordern, Übersicht + Strafe/Belohnung
      • >> Aufmerksam bleiben, clever (“aufgeweckt”) und flexibel agieren, keine radikale Verbesserung erwarten, taktvoll kritisieren, das Gute und Schöne an Rumänien loben, win-win Lösung vorschlagen, Autorität aber auch Sympathie aufbauen
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